Ausgabe 5 - 1/2022 - Steffen Richter

Umwelt. Probleme

Der Seeigel, sollte man meinen, lebt in einer Wasserwelt mit Algen, Steinen und Krebsen, hin und wieder einem Surfbrett, einem Segel- oder Motorboot. Tatsächlich aber, so Jakob Johann von Uexküll, existieren diese Dinge für den Seeigel nicht. Sein „Merknetz“, so Uexküll weiter, registriere in Form von Hell- und Dunkelstufen nur jene Reize, die für ihn „geeignet“ sind. Was aber für ihn geeignet ist und wie er auf diesen Reiz reagiert, legt ein Bauplan fest, der in jedem Tier das Verhältnis von „Innenwelt“ und „Umwelt“ gleichsam überwölbt. In der Welt des Seeigels gibt es demnach nur Seeigel-Dinge – zu denen weder die Sonne noch das vorüberziehende Segelboot zählen. Mehr noch: Seeigel und Welt sind derart aufeinander bezogen, „als wenn es nur eine Welt gäbe und einen Seeigel“. Der Seeigel trägt seine Umwelt, an die er immer schon perfekt angepasst ist, als „undurchdringliches Gehäuse“, als spezifischen Eigenraum mit spezifischer Eigenzeit, sein gesamtes Leben mit sich herum.

Das ist in sehr groben Zügen die Konzeption von ‚Umwelt‘, die der Biologe und Zoologe Jakob Johann von Uexküll in seinem Buch Umwelt und Innenwelt der Tiere von 1909 (und in verbesserter zweiter Auflage 1921) entwarf. Aber ist dieses Buch auch der Ort, von dem das heutige Hochfrequenzwort ‚Umwelt‘ zunächst in die biologisch-naturwissenschaftlichen und später in sozial-und geisteswissenschaftlichen Debatten einging? Ist es der Ausgangspunkt dessen, was wir heute als ‚Umwelt-Problem‘, ‚Umwelt-Geschichte‘, ‚Umwelt-Technik‘ oder ‚Umwelt-Politik‘ bezeichnen?

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