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Editorial Dritte Natur 5 - 1/2022

Wir leben in einer Zeit der Folgen. Zumindest werden derzeit viele Konsequenzen von lange eingeübten Lebensformen sichtbar. Was man da sieht, drängt dazu, eindringlich über die Auswirkungen des heutigen Handelns oder Nicht-Handelns nachzudenken. Und es drängt dazu, unsere Verhältnisse zu dem zu überprüfen, was uns umgibt. Denn was wir als Natur deklarieren und was wir für Technik halten, ist keineswegs gleichgültig. In welcher Weise Pflanzen, Tiere, Menschen und Maschinen füreinander Umgebungen sind und in welchen Beziehungen sie zueinander stehen, bestimmt vielmehr die Gestalt der Zukunft mit.

Deswegen können Positionierungen zur ‚Umwelt‘ politische Wahlen entscheiden. Doch ist das Hochfrequenzwort ‚Umwelt‘ und all seine Zusammensetzungen als ‚Umweltpolitik‘, ‚Umwelttechnik‘ oder ‚Umweltbewusstsein‘ höchst problematisch. Existiert tatsächlich etwas, das uns als Äußeres umgibt? Oder gibt es dieses Außen nur in Verbindung mit uns – Umgebungen, die geschaffen, konstruiert und ausgestaltet sind, um unsere Leben zu ermöglichen? Literatur ist in den Unsicherheitszonen dieser wieder einmal flirrenden 20er Jahre heimisch. Sie spielt Szenarien durch und treibt unsere Erkenntnis wie Selbsterkenntnis voran. Nicht zuletzt kann sie gleichermaßen diskursiv formulieren und sinnlich erfahrbar machen. Deswegen vereint diese Ausgabe essayistische Überlegungen mit zahlreichen und vielgestaltigen poetischen Sondierungen zur Problematik der ‚Umwelten‘. Die Texte fragen, welche Medien die Natur wie formen und wie man Natur überhaupt aufschreiben kann. Ihnen geht es um Technik, die sich den Menschen anschmiegt, und um mögliche Alternativen zum kapitalistischen Wirtschaften. Wir denken nach über die Zusammenhänge zwischen Pflanzen, Menschen und anderen Tieren. Und wir widmen uns dem Vergehen der Jahreszeiten.

 

Aktuelle Ausgabe

Dritte Natur

Ausgabe 5 - 1/2022 - Steffen Richter

Umwelt. Probleme

Der Seeigel, sollte man meinen, lebt in einer Wasserwelt mit Algen, Steinen und Krebsen, hin und wieder einem Surfbrett, einem Segel- oder Motorboot. Tatsächlich aber, so Jakob Johann von Uexküll, existieren diese Dinge für den Seeigel nicht. (...)

Ausgabe 5 - 1/2022 - Birgit Schneider

Nature Writing im Computerspiel Walden – A Game. Naturwahrnehmungen in einer künstlichen Welt?

Forschungsstation Gülpe. Außenstelle der Universität Potsdam, geführt vom Institut für Ökologie. Irgendwo hinter Ribbeck im Havelland, in der Mark, dort, wo Hobby-Astronomen hin pilgern, weil der Nachthimmel hier wirklich dunkel ist, mithin eine kaum besiedelte Gegend. (...)

Ausgabe 5 - 1/2022 - mit Jean-Marie Dhur, Klaus Fricke und Andreas Rötzer. Moderation: Jörg Plath

Perspektiven des Naturbuchmarkts. Podiumsdiskussion

Ausgabe 5 - 1/2022 - Nico Bleutge

Fünf Gedichte

Ausgabe 5 - 1/2022 - Daniela Danz

Komm WildnisGedicht

Ausgabe 5 - 1/2022 - Ulrike Draesner

Post-Drown – Moments of Glory

Ausgabe 5 - 1/2022 - Daniel Falb

32 SATZE FÜR OMAR UND BELL

Ausgabe 5 - 1/2022 - Björn Kern

Im Freien

Blitzschlag - Was war das? - Nichts, sage ich. Beruhige dich. - Etwas ist explodiert. Ist ein Baum umgestürzt? - Das war kein Baum. (...)

Ausgabe 5 - 1/2022 - Klaus Dörre

ÖkosozialismusVon der Wissenschaft zur Utopie klimagerechter Gesellschaften

Das Auditorium Maximum der Leipziger Universität im Mai 2019. Vor dem zum Bersten gefüllten Saal drängen sich hunderte Studierende, um an der Gründung von Students for Future teilzunehmen. (...)

Ausgabe 5 - 1/2022 - Raul Zelik

Grüner Sozialismus – warum die Klimabewegung an alten Debatten nicht vorbeikommen wird

Aus den Reihen der Klimabewegung wird immer wieder dafür plädiert, sich von den Begriffen des 20. Jahrhunderts frei zu machen und jenseits der alten Systemdebatten zu argumentieren. (...)

Ausgabe 5 - 1/2022 - Birgit Beck, Kevin Liggieri

Anthropophile Technik

Die drängenden Fragen, die im Kontext der Relation bzw. Interaktion von Mensch und Technik häufig auftauchen, teilen sich meist in zwei Kategorien: Ängste und Hoffnungen. (...)

Ausgabe 5 - 1/2022 - mit Jutta Person, Cord Riechelmann und Volker Sommer. Moderation: Cornelia Jentzsch

Menschen und andere Tiere. Podiumsdiskussion

Ausgabe 5 - 1/2022 - Millay Hyatt

Sitzungsprotokoll der Akademie

(zu einem Text von Franz Kafka)

Ausgabe 5 - 1/2022 - Mikael Vogel

Eine Berichtigung für eine AkademieGedicht

(zu einem Text von Franz Kafka)

Ausgabe 5 - 1/2022 - Sebastian Unger

PVC

Auf dem umgedrehten Deckel einer Kühlbox aus Styropor, wie man sie üblicherweise zum Fischverkauf verwendet, finden sich am Straßenrand einer chinesischen Großstadt, hier gesehen in Nanjing, 2019, in handtellergroße durchsichtige Gummiballons eingelassene Tiere, lebendige Tiere, die in dieser bausteinhaften Form zum Verkauf ausliegen und als Schlüsselanhänger dienen sollen. (...)

Ausgabe 5 - 1/2022 - Millay Hyatt

Die Alaska-KorrekturErzählung

Achtundzwanzig Stunden und fünf Minuten im Bus von Los Angeles nach Seattle. Bis Sacramento perplex aus dem Fenster geschaut, danach Tausend Plateaus gelesen. In Seattle abgeholt von Hannah. Wir sitzen in ihrer gelben Küche, sie gibt mir Zigaretten und unterbricht mich nicht, während ich ohne Punkt und Komma erzähle. (...)

Ausgabe 5 - 1/2022 - Mikael Vogel

Gedichte

Ausgabe 5 - 1/2022 - Solvejg Nitzke

Pflanzenwelten. Natur, Kunst, Kontamination

Um über Pflanzen zu sprechen, muss man sie zu allererst wahrnehmen. Das ist schwieriger als es klingt, denn meistens scheinen Menschen Pflanzen zu übersehen (...)

Ausgabe 5 - 1/2022 - Nick Reimer, Toralf Staud

Ade, Du deutscher Fichtentann‘

Deutschland steht ein großflächiges Waldsterben bevor, 2050 wird es ganze Regionen ohne alte Bäume geben. Welche neuen Arten dann bei uns wachsen können, weiß derzeit niemand. (...)

Ausgabe 5 - 1/2022 - Sabine Scho

Das Tier als Gartner

Was ist das eigentlich: Gärtnern? Und ist es etwas speziell Menschliches? Urbanes Gärtnern, giftfreies Gärtnern, Gärtnern für Faule, Grundkurs grüner Daumen, naturnahes Gärtnern – einfach wachsen lassen scheint keine Option. Mithin ist Gärtnern ein planvoller Eingriff in die Natur, der sich von Landwirtschaft darin unterscheidet, dass er nicht in großen Mengen anbaut, was verzehrt werden soll. Dem Garten liegt industrielle Verwertung fern, hier wird von Hand gesetzt, gezogen, gejätet, geerntet. (...)

Ausgabe 5 - 1/2022 - Marion Poschmann

Auch über das Frühjahr

Brechts Gedicht Über das Frühjahr beschwört etwas plakativ einen Stadt-Land-Kontrast. „Das Volk“ in „unseren Städten“ ist den Jahreszeiten entfremdet, die Vogelschwärme, gemeint sind wohl die Zugvögel, die im Frühjahr aus dem Süden kommen, meiden die Menschenmassen und Industrieanlagen, und ein Blick auf die vegetativen Veränderungen ist nur noch durch die Scheiben der Transportmittel möglich, bei einer Fahrt über Land. (...)

Ausgabe 5 - 1/2022 - Marcel Beyer

Grönland. Der Trost der WölfinGedichte

Ausgabe 5 - 1/2022 - Mara-Daria Cojocaru

Capital Walk

Im Dezember 2019 hatte ich begonnen, die städtische Natur in London zu erkunden - aus Trotz. Mit meinem Hund, Dr. Humphrey Stumpfkorn - aus Notwendigkeit. (...)

Ausgabe 5 - 1/2022 - Cécile Wajsbrot

Winter ade

1552 – Pantagruel und seine Gefährten erreichen die Grenze zum Eismeer, als sie plötzlich Schreie hören. Ringsumher ist nichts, niemand zu sehen – weit und breit nur Ozean. Sie sind zutiefst erschrocken, einige wollen fliehen. Doch der Steuermann beruhigt sie. Was ihr hört, sind die Wörter eines Krieges, der sich im vorigen Winter ereignet hat, Wörter, eingefroren von der Kälte. Nun, da das Wetter wieder milder geworden ist, tauen die Wörter auf, die Kämpfer hingegen sind seit langem verschwunden. (...)