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Editorial

Die Erde, sagte neulich ein Sechsjähriger, ist müde. Nicht nur die Nachrichtenlage, auch der Augenschein geben ihm recht: Die globale Jahresmitteltemperatur jagt von einem Rekord zum nächsten. Hurrikane und Taifune verwandeln amerikanische und asiatische Küstenregionen in Notstandsgebiete. Und die im zweiten Sommer in Folge verbrannten Futtermaisfelder der Uckermark werden zum „New Unnormal“. Dass hier etwas aus dem Ruder läuft, kann nicht mehr als theoretische Behauptung abgetan werden – es ist im Alltag sicht- und spürbar. Ja, wir müssen die Verhältnisse zu unseren natürlichen und kulturellen Umwelten neu ordnen. Und weil wir uns auf einer Schwelle befinden, sind unsere Entscheidungen sehr weitreichend. Sie wollen gut durchdacht sein.

Deswegen fragen wir in dieser Ausgabe, ob ein Zoobesuch eigentlich noch ins 21. Jahrhundert passt. Wir denken über Verheißungen und Verheerungen nach, die sich mit der Idee von Schnittstellen zwischen Tier, Mensch und Maschine verbinden. Vorbehaltlos auf Ingenieurslösungen zu setzen, halten wir für ebenso blauäugig, wie auf Wissenschaft und Technik verzichten zu wollen. Nur sollten sich die Erkenntnisse der Wissenschaft an den Erfahrungen konturieren, die Kunst im Umgang mit Natur gewinnen kann. Nur wird sich Technik neu positionieren müssen – nicht zuletzt zur Religion. Die rettenden Potenziale dieser Religion versuchen wir zu erkunden. Und wir beobachten, wie Spekulationen der Finanzmärkte Umweltkatastrophen herbeihandeln, um von ihnen zu profitieren. Das heißt: Wir müssen über den Kapitalismus reden. Und darüber, was uns daran hindert, den Tatsachen ins Auge zu sehen und unser Wissen in Handeln zu übersetzen.

Aktuelle Ausgabe

Dritte Natur

Fotografische Arbeiten

Ausgabe 2 - 2018 - Andreas Walther

Fotografische Arbeiten

Die daoistische Kultur gründet sich in einer Wirklichkeit, die einen überraschenden Naturbegriff eröffnet. Im Ansinnen der Selbstkultivierung (養生, 養心) stehen hier Berg-Wasser-Malerei, Kalligrafie, Guqin-Spiel, Tee-Brühen, Philosophie, Qigong und Taichi bereit, sich mit diesen tastend in jene Wirklichkeit einzufinden. (...)

Ausgabe 2 - 2018 - Volker Sommer

Welt der 1000 Stäbe.Was spricht gegen Zoos?

Ein Foto im Familienalbum zeigt mich als 12jährigen, posierend vor einem vegetationslosen Gehege mit zwei Elefanten darin – entstanden während eines Tagesauflugs vom heimatlichen Nordhessen in den Frankfurter Zoo. (...)

Ausgabe 2 - 2018 - Dominique Meens

Buchfink et. al.Ornithologie des Spaziergängers

Es gibt eine Lust an der Wiederholung, am Wiederaufgreifen, ein Glück, es zu sagen und wieder zu sagen, dass das Rotkehlchen ein Wintervogel ist. Das Rotkehlchen ist ein Wintervogel, ich wiederhole es (...)

Ausgabe 2 - 2018 - Andreas Langenohl

Katastrophenkapitalismus

An einer roten Fußgängerampel – ich war auf dem Weg zu ‚meiner‘ Bank – raunte mir neulich ein Unbekannter zu, dass „alles schon gelaufen“ sei. (...)

Ausgabe 2 - 2018 - Kevin Liggieri

Der Mensch zwischen Tier und Maschine?Zur Geschichte der Anthropotechnik

Als der Karlsruher Philosoph Peter Sloterdijk Ende der 1990er Jahre einen französischen Supermarkt aufsuchte, um für seine Katze Essen zu kaufen, machte er eine für ihn folgenschwere Entdeckung. (...)

Ausgabe 2 - 2018 - Matthias Pabsch

Naturkultur.Wie Kunst und Wissenschaft voneinander sehen lernen

Am 28. April 1784 war die Welt noch in Ordnung. Auch in London war von Klimawandel und globaler Erwärmung noch nichts zu spüren. (...)

Ausgabe 2 - 2018 - Beatrix Langner

Migranten gegen Giganten.Oder: Wie spricht eigentlich die dritte Natur

Wer um 1914 am Ufer der Spree zwischen Oberbaumbrücke und Westhafen sitzt, sieht kein stillglänzendes Gewässer, sondern tote Fische an sich vorbeischwimmen, die weißen Bäuche wie Perlmutt schimmernd. (...)

Ausgabe 2 - 2018 - Christian Lehnert

Sprache der Natur

Sprache der Natur, so habe ich diese kleine Rede überschrieben, in der ich versuchen will, Rechenschaft zu geben über ein scheinbar anachronistisches Tun – über das Schreiben von Gedichten, die man als Naturlyrik bezeichnen mag. (...)

Ausgabe 2 - 2018 - Sabine Scho

Did you see something?(Hast Du etwas gesehen?)

Did you see something? (Hast Du etwas gesehen?) War vielleicht in diesem Sommer die meist gehörte Frage, der ich begegnet bin. (...)

Von der Apokalypse

Ausgabe 2 - 2018 - Peter Trawny

Der Verlust der Kette.Anmerkungen zur Apokalypse

Zwischen mir und der Natur klafft eine Lücke, ein leerer Raum, der nicht zum Raum gehört. Etwas fehlt, der Raum war einmal besetzt. (...)

Ausgabe 2 - 2018 - Petra Steinmair-Pösel

Erkaltete Liebe und globale Erwärmung.Überlegungen zu Ökologie und Apokalyptik im Anthropozän im Anschluss an René Girard

Am Beginn seines letzten großen Werkes, des Dialogbandes Im Angesicht der Apokalypse. Clausewitz zu Ende denken, beschreibt der franko-amerikanische Kulturanthropologe René Girard im Jahr 2007 die Gegenwart als apokalyptische Ära (...)

Ausgabe 2 - 2018 - Timothy Morton

Den Tatsachen ins Auge blicken

Wir alle wissen, dass die ökologische Literatur – insbesondere die, die wissenschaftliche Informationen liefert, wie sie vielleicht in Zeitungen, auf jeden Fall aber in Büchern mit Titeln wie dem oben stehenden zu finden sind – sehr viele Fakten aufbieten muss. (...)